Pressemitteilung:
12. Todestag von Dieter Eich: Bündnis fordert Konsequenzen und Gedenkstein!

Resorts: Berlin / Lokales / Politik

Kontakt: Bündniss „Niemand ist vergessen!“
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Tel.: 015784626097
Pressekontakt: Martin Sonnenburg

Für den 19. Mai 2012 ruft das Bündnis „Niemand ist vergessen!“ zur Gedenkdemonstration für Dieter Eich auf. Dieser wurde am 24. Mai 2000 von vier Neonazis in Berlin-Buch ermordet. Die Demonstration startet um 15.00 Uhr am S-Bhf. Buch

Es gibt eine Ideologie der Ungleichwertigkeit, die tief in einer beschönigend als „Leistungsgesellschaft“ gepriesenen neoliberalen Konkurrenzgesellschaft verankert ist. Diese wird von Vertreter_innen aus Politik, Medien und Gesellschaft stetig manifestiert, reproduziert und verstärkt, sei es aus ideologischen oder wahltaktischen Gründen für eigene Macht- und Herrschaftsansprüche. Denn Reichtum braucht Armut und soziale Ausgrenzung. Dass sie dabei als geistige Brandstifter fungieren und zur Legitimation für Morde an und Übergriffe auf sozial Benachteiligte insbesondere Obdachlose und Migrant_innen durch Nazis beitragen, wird zumindest billigend in Kauf genommen.“, erklärt Martin Sonnenburg, Sprecher des Bündnisses „Niemand ist vergessen!“ anlässlich der morgigen Dieter-Eich-Gedenkdemonstration. Sonnenburg weiter:
Nicht nur aber insbesondere in Krisenzeiten, wird die Suche nach Sündenböcken für alle gesellschaftlichen und sozialen Probleme forciert. Menschen werden verstärkt als „unnütz“, „unwert“ und „unfähig“ abgewertet sowie die Schuld für ihre Situation ihnen selbst in die Schuhe geschoben. Dabei sind Morde und Übergriffe an sozial Ausgegrenzten schon lange keine Einzelfälle mehr. Wilhelm Heitmeyer konstatiert Ende 2011 „Etwa 35 Prozent der Bundesbürger wünschen sich, dass Obdachlose aus Fußgängerzonen entfernt werden. Und 61 Prozent finden, dass zu viele schwache Gruppen mitversorgt werden müssen. … In unseren Studien sagen 75 Prozent der Bürger, dass sich bei einer Bedrohung des eigenen Lebensstandards die Solidarität mit den Schwachen deutlich verringert.“ Dass ist der Nährboden, auf den Neonazis, Rassisten und Sozialchauvinisten setzen! Dass ist aber auch Ergebnis einer rassistischen und sozial ausgrenzenden Propaganda und Politik im Sinne eines zunehmend „verrohten Bürgertums“.

„Dieter Eich musste sterben, weil er in den Augen seiner Mörder ein „Assi“ war. Eichs Mörder teilten damit eine Sicht auf erwerbslose Menschen, wie sie sich in weiten Teilen der deutschen Mehrheitsgesellschaft vorfinden lässt. Diese Geisteshaltung zielt nicht in erster Linie auf die Tötung von Menschen ab, trägt diese mörderische Option aber immer in sich.“

Nach mehreren Jahren der „Ruhe“ nahmen sich Antifaschist_innen aus der Region dem Gedenken an Dieter Eich wieder an. Seit dem ist es gelungen den Mord wieder ins öffentliche Gedächtnis zu rufen und dem Vergessen zu entreißen. „Wir denken, dass es notwendig ist nicht nur in Buch ein dauerhaftes Zeichen gegen soziale Ausgrenzung zu setzen – Ein Zeichen, das mehr Bestand hat als eine Gedenkveranstaltung, ein Mal im Jahr. Denn Morde wie der an Dieter Eich geschehen immer wieder.“, so Martin Sonnenburg.

Das Bündnis wird darum in den kommenden Monaten mit einem Spendenaufruf für einen Gedenkstein an  Organisationen, Verbände und zivilgesellschaftliche Akteure herantreten. Ein Konzept einschließlich der künstlerischen Umsetzung besteht bereits. Begleitend dazu wird eine Broschüre erscheinen, die das Anliegen inhaltlich unterfüttert.

Spendenkonto:
Berliner VVN-BdA e.V
Postbank Berlin
BLZ: 100 100 10,
Konto: 315 904 105
Zweck: Dieter Eich Gedenkstein