Abwertung und Gewalt gegen „Asoziale“

Verfasser_innen: „Niemand ist vergessen!“-Bündnis
Artikelserie mit Beiträgen aus der “Niemand ist vergessen!”-Broschüre

Heitmeier Studie zur Abwertung „sozial Schwacher“

Die Heitmeier Studie zu Gruppen bezogener Menschenfeindlichkeit (2007) förderte folgende Ergebnisse zu Tage
* Die Obdachlosen in den Städten sind unangenehm: 38,8% stimmen zu
* Die meisten Obdachlosen sind arbeitsscheu: 32,9% stimmen zu
* Bettelnde Obdachlose sollten aus den Fußgängerzonen entfernt werden: 34 stimmen zu
* Die meisten Langzeitarbeitslosen sind nicht wirklich daran interessiert, einen Job zu finden: 49,3% stimmen zu
* Ich finde es empörend, wenn sich die Langzeitarbeitslosen auf Kosten der Gesellschaft ein bequemes Leben machen: 60,8% stimmen zu
Dezember 1980 – Mainz (Rheinland-Pfalz):
Der Obdachlose Erwin Tinz (57) wird im Dezember 1980 von Mainzer Streifenpolizisten schwer betrunken auf einem Feld „ausgesetzt“. Er stirbt an Herzversagen.
27. Juni 1989 – Gelsenkirchen-Erle (Nordrhein-Westfalen):
Ein 59jähriger männlicher Stadtstreicher mit schwersten Kopf- und Brustverletzungen aufgefunden. Zwei rechte Skinheads werden später verhaftet, von denen einer geständig ist.
27. Juli 1990 – Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen):
Ein Obdachloser wird von zwei Neonazis so schwer zusammengeschlagen, dass er kurze Zeit später stirbt.
31. Dezember 1990 – Flensburg (Schleswig-Holstein):
Ein unbekannter Obdachloser (31) wird am 31. Dezember 1990 von jugendlichen teilweise betrunkenen Neonazi-Skins zusammengeschlagen und -getreten. Er starb sechs Tage später an seinen Verletzungen.
1991 – Schwedt (Brandenburg):
Ein Obdachloser wird von Neonazis zu Tode geprügelt.
19. März 1992 – Flensburg (Schleswig-Holstein):
Nachdem Ingo Finnern (31) sich gegenüber einem rechten Skinhead als Sinto zu erkennen gegeben hatte, wird er am 19. März 1992 von diesem ins Hafenbecken gestoßen. Der Täter hatte „Ausländer raus“ gerufen, worauf sich der Obdachlose als Sinto zu erkennen gegeben hatte.
04. Juni 1991 – Waldstück bei Käsdorf (Niedersachsen):
Helmut Leja (39) wird von einem jugendlichen Neonazi, der ihn als „Abschaum“ bezeichnet hatte, erstochen.
05. Juni 1992 – Fürstenwalde (Brandenburg):
Horst Hennersdorf (37) wird von zwei jungen Rechtsdarikalen zu Tode gequält. Mehrere Zeugen beobachteten die Tat ohne einzuschreiten.
01. Juli 1992 – Neuruppin (Brandenburg):
Emil Wendtland (50) wird am 1. Juli 1992 von drei Rechten, die sich zum »Penner klatschen« verabredet hatten, im Rosengarten zusammengeschlagen und anschließend erstochen.
01. August 1992 – Bad Breisig (Rheinland-Pfalz):
Dieter Klaus Klein (49) wird, weil er sich über den Lärm und die „Sieg Heil“-Rufe beschwert hatte, am 1. August 1992 im Stadtpark von Bad Breisig von zwei Rechten zusammengetreten und danach mit einem Kampfmesser erstochen.
24. August 1992 – Koblenz (Rheinland-Pfalz):
Frank Bönisch (35) stirbt auf dem Zentralplatz in Koblenz, als der 23-jährige Skinhead Andy Johan H. („Der deutsche Andy“), Angehöriger der „Deutschen Front Coblenz“, auf eine Gruppe von Punks, Obdachlosen und Drogenabhängigen die gesamte Munition seiner Smith&Wesson feuert.
29. August 1992 – Berlin-Charlottenburg:
Günter Schwannecke (58) und ein weiterer Obdachloser werden auf einer Parkbank von einem Mitglied des Ku-Klux-Klan (oder zwei Skinheads) mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen. Er erlag am 5. September 1992 seinem Schädelbruch.
07. November 1992 – bei Lehnin (Brandenburg):
Am 7. November 1992 wird Rolf Schulze (52) von zwei Nazi-Skins, Anhänger der „Nationalen Offensive“ und der „Nationalistischen Front“, getreten, geschlagen, mit einer Propangasflasche verprügelt und mehrmals im Kölpinsee untergetaucht. Seine Leiche wurde mit Benzin übergossen und angezündet.
07. Januar 1993 – Wetzlar (Hessen):
Ein Rechtsradikaler tritt einen Obdachlosen zu Tode.
05. Juni 1993 – Fürstenwalde (Brandenburg):
zwei Jungnazis quälen den Obdachlosen Horst Hennersdorf (37) zu Tode. Er wird auf einem Anwesen stundenlang misshandelt. Mehrere Zeugen beobachten die Tat, greifen aber nicht ein.
28. Juni 1993 – Strausberg (Brandenburg):
Der Erwerbslose Hans-Georg Jakobson wird nachts von drei Rechtsradikalen misshandelt und aus der fahrenden S-Bahn geworfen.
16. Juli 1993 – Marl (Nordrhein-Westfalen):
Ein schlafende Obdachloser (33) wurde am 16. Juli 1993 als „Judensau“ beschimpft und von einem rechten Skinhead mit Schlägen und Tritten bewusstlos geschlagen. Er starb drei Monate später, ohne das Bewusstsein wieder zu erlangen.
26. Januar 1994 – Karlsruhe (Baden-Württemberg):
Ein 38-jähriger Obdachloser wird von Rechtsradikalen im Schlaf angezündet und erleidet schwere Verletzungen.
13. März 1994 – Hamm (Nordrhein-Westfalen):
Ein 17-jähriger Neonazi verletzt einen Obdachlosen durch Tritte, Schläge und Messerstiche lebensgefährlich.
15. Februar 1995 – Velbert (Nordrhein-Westfalen):
Der 65jährige Obdachlose Horst Pulter wird im Herminghauspark, dem Stadtpark, als Zufallsopfer von sieben rechten Jugendlichen ermordet. Weiter unten am Teich, so gaben die Täter an, wollten sie ausprobieren, wie oft man einem Schwan den Hals umdrehen kann, bis er abfällt. Unterwegs begegnete ihnen ihr späteres Opfer. Horst Pulter schlief in einer Holzhütte. Sie beschimpften ihn. „Scheiß Jude“, „Penner“ nannten sie ihn. Sie schlugen ihn, sie quälten ihn, sie traten ihn, bis er bewusstlos wurde. Sie entfernten sich. Doch damit nicht genug. Der 22jährige Haupttäter kehrte zurück. Er rammte dem bewusstlosen Menschen ein Steak-Messer in den Körper. „Penner klatschen“ wollten sie nur, beteuerten die Täter.
23. Januar 1996 – Magdeburg (Sachen-Anhalt):
Ein Obdachloser wird angegriffen und stirbt am nächsten Tag an seiner Kopfverletzung.
24. Januar 1996 – Ein Schlafender Obdachloser wird von zwei Jugendlichen zusammengeschlagen.
22. August 1996 – Bielefeld (Nordrhein-Westfalen):
Vier Skinheads verletzen in einer Parkanlage einen Obdachlosen schwer.
22. April 1997 – Sassnitz (Rügen): Vier Männer entführen den Obdachlosen Horst Gans (50) schlagen ihn zusammen und lassen ihn im Stadtgraben liegen. Später kehren die Täter zurück und erschlagen ihn mit einem 30-Kilo-Stein.
08. Mai 1997 – Königs Wusterhausen (Brandenburg):
Der Erwerbslose Augustin Plotzki wird von Rechtsradikalen in seiner Wohnung zu Tode geprügelt.
23. September 1997 – Angermünde (Brandenburg):
Erich Fisk mit schweren Kopfverletzungen aufgefunden, die ihm junge Männer zugefügt hatten. Am 30. August 1998 starb Erich Fisk im Krankenhaus, ohne aus dem Koma aufgewacht zu sein.
14. Oktober 1997 – Bochum (Nordrhein-Westfalen):
Nazi-Skins schlugen mit Baseballschlägern den 59jährigen Josef Anton Gera auf einem Gelände, auf dem oft Obdachlose anzutreffen sind. Der Angegriffene ist so schwer verletzt, dass er noch im Krankenhaus verstirbt. Im Krankenwagen teilte er noch mit, dass die Täter Rechtsradikale gewesen seien. Die Täter ermordeten Gera auch auf Grund seiner Homosexualität.
29. Mai 1998 – Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern):
Etwa 20 Rechtsradikale dringen am späten Abend in ein Obdachlosenheim ein, zertrümmern Einrichtungsgegenstände und schlagen mit Latten und Baseballschlägern auf zwei Bewohner ein, so dass diese verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.

03. Dezember 1998 – Berlin-Schöneberg:

Neonazis verüben einen Brandanschlag auf ein Obdachlosenheim. Dabei stirbt ein Heimbewohner, fünf Männer und zwei Frauen erleiden Rauchvergiftungen.
09. August 1999 – Eschede (Niedersachsen):
Am 9. August 1999 wird der Obdachlose Peter Deutschmann (44) in von einem 17-jährigen und einem 18-jährigen Mann totgetreten, nachdem er sie mehrmals aufgefordert hatte, „den Scheiß mit dem Skinhead-Gehabe zu lassen“.

Januar 2000 – Weißwasser (Sachsen):
Der obdachlose Glasdesigner Bernd Schmidt (52) wird in seiner Baracke von zwei 15-jährigen und einem 16-jährigen Jugendlichen über einen Zeitraum von drei Tagen zu Tode geprügelt. Sie wollten 900 DM für ein Moped erpressen, doch Bernd Schmidt konnte diese nicht zahlen. Er starb am 31. Januar 2000 an Hirnblutungen und einer Lungenentzündung, die er sich durch das Einatmen von Blut zugezogen hatte.
24. Juni 2000 – Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern):
Klaus-Dieter Gerecke wird in der Nacht zum 24. Juni 2000 von vier jungen Leuten erschlagen. Zwei Frauen feuern die Täter mit „Da ist der Assi, klatscht ihn tot“ an.
09. Juli 2000 – Wismar (Mecklenburg-Vorpommern):
Jürgen S. (52) wird von fünf Rechtsradikalen in einem Abrisshaus in mit Schlägen und Tritten so schwer misshandelt und ausgeraubt, dass er wenig später seinen Verletzungen erliegt.
27. Juli 2000 – Ahlbeck (Mecklenburg-Vorpommern):
Norbert Plath (51) wird von vier jungen Rechtsextremisten zu Tode geprügelt. Die Täter waren der Meinung, dass „Asoziale und Landstreicher nicht in die Gesellschaft passen“.
12. September 2000 – Schleswig (Schleswig-Holstein):
In der Nacht zum 12. September 2000 wird Malte Lerch (45) von zwei rechten Skins erschlagen, nachdem er mit ihnen auf einer Wiese gezecht hatte. Die beiden Skinheads fühlten sich beleidigt, da Malte Lerch schlecht über die Skinhead-Szene gesprochen hatte.
05. Oktober 2000 – Freiberg (Sachsen):
Jugendliche schlagen im Stadtpark zwei Obdachlose brutal zusammen. Einer der Männer erleidet dabei tödliche Verletzungen. Er wurde schlafend mit einer Schnapsflasche erschlagen.
25. November 2000 – Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern):
Eckhardt Rütz (42) wird vor der Mensa der Universität von drei faschistischen Skinheads mit Baumstützpfählen zusammengeschlagen und getreten, weil „so einer wie Rütz dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche liegt“.
09. August 2001 – Dahlewitz (Brandenburg):
Dieter Manzke (61) wird von fünf jungen Männern in einem leer stehenden Gartenbungalow erschlagen, da sich die Täter „gestört fühlten“ und angesichts seiner Lebensweise „Ordnung schaffen wollten“.
15. Mai 2002 – Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern):
Klaus Dieter L. wird erschlagen. Täter: Zwei Skinheads
09. Juni 2002 – Angermünde (Brandenburg):
Ein 63-jähriger Obdachloser wurde von drei 17-, 20- und 24-jährigen Männern angegriffen und schwer verletzt.
November 2002 – Dresden (Sachsen):
Fünf Rechtsradikale misshandeln einen ungarischen Obdachlosen und versuchen ihn zu ermorden.

07. Dezember 2002 – Stralsunder (Mecklenburg-Vorpommern):

Zwei Polizeibeamte fahren einen 35jährigen Obdachlosen an den Stadtrand und „setzen“ ihn dort „aus“. Er stirbt an Unterkühlung und Alkoholvergiftung.
16. Juni 2004 – Beeskow (Brandenburg):
Ein 35-jähriger Obdachloser wurde in der Nacht von zwei 19- und 23-jährigen jungen Männern auf einer Parkbank im Stadtpark ausgeraubt und angezündet. 35 Prozent seiner Haut verbrannten.

18. Februar 2005 – Magdeburg (Sachsen-Anhalt):
Ein 51jähriger Obdachloser stirbt alkoholisiert auf einer Polizeiwache vermutlich an Unterkühlung.

24. Juli 2007 – Blankenburg (Sachsen-Anhalt):
Ein Obdachloser wird erschlagen. Täter: Zwei polizeibekannte Rechtsextreme

25. Juli 2008 – Templin (Brandenburg):
Ein Obdachloser wird erschlagen. Täter: Zwei polizeibekannte Rechtsextreme

01. Augst 2008 – Dessau (Sachsen-Anhalt):
Thomas F. (34) aus Dessau sowie Sebastian K. (23) aus Güterglück sollen in der Nacht zum 01.08.2008 in der Parkanlage vor dem Dessauer Hauptbahnhof den 50-jährigen Obdachlosen Hans-Joachim S. aus Halle ermordet haben. Zunächst misshandelten sie ihn mit Schlägen und Tritten, dann soll Sebastian K. dem Opfer einen Papierkorb aus Metall mehrmals mit voller Wucht auf den Kopf sowie den Rumpf geschlagen haben.
06. September 2008 – Kreis Delitzsch (Sachsen):
Zwei Wochen nach einem gewaltsamen Übergriff auf einen 59jährigen Obdachlosen erliegt dieser im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Verletzte wurde am 23. August gegen 7.30 Uhr morgens auf einer Parkbank am Schwanenteich bei der Oper entdeckt. Am 29. August wurde der 19-jährige Täter Michael H. aus Delitzsch festgenommen, der in einer ersten Vernehmung die Gewalttat gegen den Obdachlosen zugab. Am 27. März 2009 wurde Täter wegen heimtückischen Mordes zu einer Haftstrafe von acht Jahren und drei Monaten verurteilt.
03. März 2009 – Eutin (Schleswig-Holstein):
Am frühen Morgen wurde ein 72jähriger Obdachloser von zwei jungen Männern fast zu Tode getreten. Der 20-jährige Haupttäter Thomas H. ist aufgrund diverser Gewaltdelikte und seines neonazistischen Hintergrundes einschlägig bekannt. Das Opfer ist seit dem Übergriff körperlich und geistig behindert.
07. Oktober 2009 – Halle (Sachsen-Anhalt):
Die Leiche eines 48-jähriger Wohnungslosen, der in Halle den Spitznamen „Jesus“ trug, wurde ermordet in einer Halle gefunden, in der er vermutlich zuvor auch geschlafen hatte.