Kundgebung für Opfer rechter Gewalt
Verfasser_innen: Neues Deutschland (24.Mai 2011)
Mit einer Kundgebung in Berlin-Buch will eine Initiative am Dienstag an einen vor elf Jahren von Neonazis ermordeten Sozialhilfeempfänger erinnern. Zudem soll bei der Pankower Gedenktafelkommission ein Antrag eingereicht werden, um für den damals 60-jährigen Dieter Eich einen dauerhaften Erinnerungsort zu schaffen, teilte das Bündnis »Niemand ist vergessen!« am Montag mit.
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Vertuscht und verharmlost
Initiative kritisiert Verschweigen des wahren Ausmaßes rechter Gewalt in der BRD
Verfasser_innen: Florian Möllendorf, junge Welt (18.Mai 2011)
Um »verschwiegene Tote« ging es auf einer Podiumsdiskussion am Dienstag abend im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte. Eingeladen hatte die Initiative »Niemand ist vergessen«, ein Bündnis aus antifaschistischen und anarchosyndikalistischen Gruppen, das sich im Gedenken an Dieter Eich gegründet hat.
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Am 8. Mai fanden in vielen Berliner Bezirken Gedenkveranstaltungen statt, die an die Zerschlagung Nazideutschlands erinnerten. Im Großbezirk Pankow waren es insgesamt vier Gedenken, die im Folgenden mit ein paar Fotoimpressionen wiedergegeben werden sollen.
Rechte Umtriebe
Noch bevor die Feierlichkeiten stattfinden sollten, ereigneten sich im Bezirk zwei Ereignisse, die verdeutlichen, wie wichtig antifaschistisches Engagement, auch 66 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus, noch ist.
Am 6. Mai beschmierten unbekannte Täter eine Gedenktafel in der Berliner Allee 73, die an sieben Familien erinnert, die von den Nazis in die Vernichtungslager verschleppt und ermordet wurden. Auf Initiative der Gedenktafelkommission war die Platte erst wenige Tage zu vor am ehemaligen Wohnhaus der Familien (damals Berliner Allee 234) in Weißensee angebracht worden.
Am 7. Mai griffen Neonazis, die ihrer Bekleidung nach dem BFC-Spektrum zuzurechnen waren, gegen 19.30 Uhr einen Mann mit Migrationshintergrund in der Tram M13 an (Höhe: Schönhauser Allee/Bornholmer Straße). Beherzte Fahrgäste griffen zum Glück ein und bewegten die Angreifer zum zügigen Ausstieg.
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Im Rahmen des diesjährigen Gedenkens an die Ermordung von Dieter Eich veranstalten wir nebenen einer Demo und Kundgebung in Buch eine Podiumsdiskussion unter dem Motto “Die verschwiegenen Toten”.
Mit der Veranstaltung wollen wir den Zustand theamtisieren, dass die Bundesregierung seit Jahren die Statistiken rechtsmotivierter Morde schönt und auch generell ein unwürdiger Umgang mit den Opfern rechter Gewalt gepflegt wird, in dem u.a. die rechtsmotivierten Hintergründe der Taten nicht als solche benannt oder herruntergespielt werden.
Eingeladen haben wir Journalist_innen und Politiker_innen die sich seit Ende der 90er Jahre auf publizisticher und politischer Ebene gegen das Weglügen der Toten in den Opferstatistiken stark machen, so wie Aktivist_innen, die über ihre Erfahrungen rund um Gedenk-Kampagnen für Opfer rechter Gewalt berichten. Videos:
“Die Verschwiegenen Toten” 137 Todesopfer rechter Gewalt
Montag, 16. Mai 2011, 19.30 Uhr, Haus der Demokratie, Greifswalder Straße 4 | M4: Tram-Station “Am Friedrichshain”
Referent_innen:
Heike Kleffner (freie journalistin / Aktion Sühnezeichen)
Ulla Jelpke (MdB Die.LINKE) Homepage
Marek Grosz (ehem. “Schon vergessen”-Bündnis / Greifswald) Homepage
Martin Sonnenburg (Bündnis “Niemand ist vergessen!”) Homepage
Initiativkreis Antirassismus (Leipzig) Homepage
Dienstag, 24. Mai 2011, Demo und Kundgebung:
17.30 Uhr, S-Bhf. Buch | S 2 | Bringt Blumen mit!
Aufruf: hier lesen | als PDF lesen
Kurzaufruf: hier lesen
Banner: 468 x 60 | 234 x 60
Aufrufer_innen/Unterstützer_innen:
„Niemand ist vergessen!“-Bündnis, Antifaschistisches Infoblatt, Reach Out – Opferberatung, North East Antifascists (NEA), Anrachosyndikalistische Jugend – Berlin (ASJ), Die.LINKE Pankow, VOSIFA, VVN – BdA – Berlin, Die.LINKE – AG Antifa/Antira pankow, Antifaschistische Initiative Nordost (AINO), VVN – BdA – Berlin, Bündnis “Rrechtspopulismus stoppen!”, Ak Marginalisierte – gestern und heute, Antifaschistische Jugend Aktion Kreuzberg, Red & Anarchist Skinheads (Berlin/Brandenburg)
Gefördert durch: Netzwerk Selbsthilfe e.V
Gegen das Schweigen!
Für ein würdiges Gedenken an die Opfer rechter Gewalt.
Aufruf für das Gedenken an Dieter Eich am 24. Mai 2011
und die Podiumsveranstaltung am 16. Mai 2011.
Den aufruf als PDF >>>hier lesen
Geschönte Statistiken
Seit dem Mauerfall wurden in Deutschland rund 150 Menschen durch Neonazis ermordet. Die offizielle Statistik hingegen spricht lediglich von 47 Toten (1). Nach welchem Verfahren ermittelnde Beamte und Staatsanwaltschaft vorgehen, ist meist unklar. Richter_innen scheuen sich oft davor, eine Tat klar als rechts zu benennen und auch Polizeibeamt_innen, gerade in den unteren Dienstebenen, stellen nur selten Bemühungen an, eine rechts motivierte Tat von einer nicht politisch motivierten zu unterscheiden.
Während im Jahr 2000 die Bundesregierung von 24 Toten sprach, veröffentlichten kritische Journalist_innen im Rahmen einer über Jahre durchgeführten Studie eine Liste mit insgesamt 117 Todesopfern. Die Regierung Kohl, nicht zimperlich im Beschönigen von Statistiken, registrierte insgesamt 34 Opfer rechter Gewalt, nach dem Amtsantritt von Rot/Grün im Jahr 1999 waren es nur noch 24. Es wird vertuscht, geschönt, kleingeredet – und das seit Jahren.
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